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Libra: Facebooks neue Digitalwährung 

Libra: Facebooks neue Digitalwährung 

Am 18. Juni war es so weit und es hat in der Branche, so kann man das aus heutiger Sicht beurteilen, eingeschlagen wie eine Bombe: Mit der neuen globalen Digitalwährung Libra will Marc Zuckerberg die Finanzwelt umkrempeln.

Was ist Libra?

Das Digitalgeld mit dem Namen Libra basiert ähnlich wie der Bitcoin auf der Blockchain-Technologie, soll aber ohne Kursschwankungen auskommen. Um das große Ziel einer digitalen Vollwährung zu erreichen, hat Facebook eine Allianz geschmiedet, die Libra Association, die ihren Sitz in der  Schweiz hat. Diese Allianz und nicht Facebook soll das Digitalgeld verwalten. Unter den aktuell 28 Mitgliedern sind die Finanzdienstleister Visa, Mastercard, Paypal und Stripe – was die Integration in Bezahlsysteme erleichtern dürfte. Mit an Bord sind unter anderem auch Vodafone und eBay, die Reisebuchungsplattform Booking.com sowie der Musikstreaming-Dienst Spotify und die Fahrdienst-Vermittler Uber und Lyft. Zum Libra-Start im Jahr 2020 hoffe er auf mehr als 100 Mitglieder, meinte der für das Projekt zuständige Facebook-Manager David Marcus.

Was kann Libra?

In der Anfangszeit dürfte das Digitalgeld vor allem für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen eingesetzt werden, sagte Marcus gegenüber der dpa. Damit würde Libra mit Diensten wie Western Union oder Moneygram konkurrieren, die für internationale Überweisungen Gebühren verlangen. Die Vision sei aber, Libra schließlich zu einem vollwertigen Zahlungsmittel für alle Situationen zu machen.

Für Verbraucher soll es laut Marcus einfach sein, das Geld zwischen Libra und anderen Währungen zu tauschen und Transaktionen damit zu machen. So soll man Libra-Überweisungen zum Beispiel direkt in Facebooks Chatdiensten WhatsApp und Messenger ausführen können. Mit einer Verknüpfung zum Bankkonto soll Libra auch direkt auf dem Smartphone in andere Währungen umgetauscht werden können.

Woher kommt die Libra-Wallet?

Das System ist relativ einfach konzipiert: Zur Aufbewahrung und Nutzung von Libra werden verschiedene Anbieter digitale Brieftaschen, sogenannte Wallets, aufsetzen können. Facebook wird nur einer von vielen Anbietern sein, dafür gründete das Onlinenetzwerk die Tochterfirma Calibra. Facebook und Calibra werden aber anscheinend keine besonderen Rechte oder Vorteile haben, obwohl sie den gesamten Quellcode für die Blockchain und die Transaktionen geschrieben haben. Nutzer können in dem Libra-System unter Pseudonymen agieren und mehrere Zugänge haben. “Transaktionen enthalten keine Verbindung zur Identität der Nutzer in der realen Welt“, hieß es.

Libra wird damit vor allem jenen helfen können, die kein Bankkonto besitzen. 1,7 Milliarden Menschen haben derzeit laut Schätzungen der Weltbank keinen Zugang zu Bankdienstleistungen. Diese Gruppe ist durch Dienstleister mit hohen Gebühren für Transaktionen besonders belastet.

Libra vs. Bitcoin?

Der große Unterschied zu bisherigen Blockchain-Währungen wie Bitcoin soll die Vermeidung der extremen Kursschwankungen sein. Deshalb wird Libra in vollem Umfang durch einen Reservefonds mit verschiedenen Währungen wie Dollar, Euro und Yen gedeckt sein. „Wenn zum Beispiel jemand Libra für 100 Euro kauft, fließen diese 100 Euro in die Reserve“, erläuterte Marcus. Die Libra Association will zudem festlegen, in welchem Verhältnis Währungen und Wertpapiere wie Anleihen in der Reserve gehalten werden, um für einen stabilen Kurs zu sorgen. Auch wird Libra anders als der Bitcoin nicht von den Nutzern selbst erstellt, sondern muss bei Mitgliedern der Allianz oder auf Handelsplattformen erworben werden.

Facebook ist es bei seinem System laut eigenen Aussagen zudem gelungen, bekannte Probleme der Technologie wie Langsamkeit zu lösen. Bei Libra komme es auch nicht zu dem hohen Energieverbrauch wie bei Bitcoin. Es wurde eine Blockchain entwickelt, die sich an die Anforderungen von Milliarden Menschen anpassen kann“, sagte Mark. Facebook entwickelte für das System auch eine neue Programmiersprache namens  Move.

Was ist das Ziel von Facebook?

Zuckerberg hat ein klares Ziel: Libra soll am Ende des Tages eine globale Währung werden, mit der man überall alles kaufen kann, online ebenso wie stationär. Man will diesem Ziel jedoch die notwendige Zeit geben und nichts überstürzen. Facebooks Projektleiter meinte: „Ich denke, dass jede neue Währung viel Zeit brauchen wird, um so groß zu werden wie eine existierende nationale Währung einer großen Volkswirtschaft. Zumindest in den nächsten zehn Jahren werden wir alle noch unsere Gehälter bekommen und Steuern zahlen in der Währung der Länder, in denen wir leben.“ Einen Fokus richtet die Währung aber vor allem in Länder mit hoher Inflation und schlechtem Banksystemen. Dort könne Libra eine viel größere Rolle spielen, „weil sie eine Lösung für viele Probleme bieten kann“, hofft Marcus. In China wird Libra übrigens nicht verfügbar sein.

Und natürlich gibt es auch einen finanziellen Aspekt: Wenn der Libra-Token wie geplant gut bei den Nutzern ankommt, rechnet Barclays-Analyst Ross Sandler mit zusätzlichen Umsätzen von 19 Milliarden Dollar bis 2021.

[Michael Fiala; Horizont]

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